24. September 2026
Westnetz erneuert Stromkabel in Waltrop
Tiefbauarbeiten im Bereich Nordring, Ziegelstraße und Am Berghang. Arbeiten beginnen am 28. Septemb...
Christian Cleve, Netzbetriebsingenieur bei Westnetz im Regionalzentrum Wesel, begleitet die Digitalisierung der Stromnetze in den Kreisen Wesel und Kleve. (Foto: Westnetz GmbH)
Christian Cleve arbeitet seit 1996 im Konzern und startete damals bei RWE. Seit der Gründung der Westnetz GmbH im Jahr 2013 ist er dort tätig. Aktuell ist er als Netzbetriebsingenieur im Regionalzentrum Wesel eingesetzt und beschäftigt sich unter anderem mit der Digitalisierung des Stromnetzes in den Kreisen Wesel und Kleve. Seit seinem Einstieg vor rund 30 Jahren hat sich in diesem Bereich vieles verändert, berichtet der Elektromeister im Interview. Zuverlässig, so Cleve, war das Stromnetz im Kreis Wesel und Kleve schon immer. Nun gewinnt es nach und nach an Intelligenz. Der Experte blickt zufrieden zurück auf die vergangenen Jahre.
Redaktion: Herr Cleve, wie fällt Ihre Bilanz der vergangenen Jahre im Hinblick auf die Digitalisierung des Stromnetzes aus?
Christian Cleve: Aus Netzsicht haben wir in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. Im gesamten Versorgungsgebiet der Westnetz wurden weit über 1.000 digitale Ortsnetzstationen installiert. Diese Entwicklung ist notwendig, um den steigenden Bedarf an Netzanschlusskapazitäten zu decken, etwa durch erneuerbare Energien, Wärmepumpen oder Elektromobilität. Damit machen wir unser Stromnetz fit für die Anforderungen der Zukunft.
Redaktion: Wie sehen digitale Stromnetze eigentlich aus?
Christian Cleve: Digitale Stromnetze, auch Smart Grids genannt, sind deutlich intelligenter als klassische Stromnetze. Sie verknüpfen Erzeugung, Verbrauch, Speicherung und Netzbetrieb mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Dadurch können beispielsweise Daten nahezu in Echtzeit erfasst und ausgewertet werden. Das ermöglicht es uns, Stromflüsse besser zu steuern, Engpässe frühzeitig zu erkennen und erneuerbare Energien optimal ins Netz zu integrieren.
Redaktion: Was genau sind digitale Ortsnetzstationen?
Christian Cleve: Digitale Ortsnetzstationen, auch digiONS genannt, sind modernisierte Transformatorenstationen und bilden das Rückgrat des lokalen Stromnetzes. Sie verbinden die Mittelspannungsebene mit der Niederspannungsebene und sorgen dafür, dass Haushalte, Gewerbe und kleinere Betriebe zuverlässig mit Strom versorgt werden.
Redaktion: Was unterscheidet digitale Ortsnetzstationen von klassischen Stationen?
Christian Cleve: Der große Unterschied liegt in der intelligenten Technik. Digitale Ortsnetzstationen erfassen und übermitteln kontinuierlich Daten aus dem Netz. Zudem können wir viele Schaltungen direkt aus der Leitstelle heraus steuern. Das ist besonders im Störungsfall ein großer Vorteil, da wir schneller reagieren und die Versorgung zügig wiederherstellen können. Insgesamt erhöht das die Versorgungssicherheit deutlich.
Redaktion: Welche Rolle spielen digitale Ortsnetzstationen für die Energiewende?
Christian Cleve: Mit der Energiewende steigen die Anforderungen an das Stromnetz enorm. Dezentrale Erzeugung durch Photovoltaik oder Windkraft sowie neue Verbraucher wie Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge führen zu dynamischen Lastflüssen. Digitale Ortsnetzstationen helfen uns dabei, diese Herausforderungen zu meistern. Sie ermöglichen eine bessere Integration erneuerbarer Energien, verhindern Überlastungen und sorgen für ein effizientes und datenbasiertes Netzmanagement.
Redaktion: Welche konkreten Vorteile ergeben sich daraus für Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürger?
Christian Cleve: Kommunen profitieren vor allem von einer höheren Versorgungssicherheit, einer besseren Planbarkeit und einer zukunftsfähigen Infrastruktur. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Digitalisierung vor allem weniger Stromausfälle, eine schnellere Wiederversorgung im Störungsfall und bessere Voraussetzungen für eigene Anwendungen wie Photovoltaikanlagen oder Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Insgesamt steigern wir damit die Qualität und Zuverlässigkeit der Stromversorgung spürbar.